„Da haben wir aber noch mal Schwein gehabt“

Wetterkapriolen wirbeln Programm durcheinander / Veranstalter trotzdem erleichtert

"Perfekt! Bei uns hat das Wetter mitgespielt", freut sich Mitorganisator Kurt W. Zepf im Ladenburger Freibad am Ende des breitensportlichen Fitness-Triathlons der Ladenburger Sport-Vereinigung (LSV) mit rund 600 Teilnehmern. Etwas weniger Glück haben kurz darauf über 500 weitere Sportler beim anspruchsvolleren Römerman: Wegen eines drohenden Gewitters darf keiner der Neoprenträger in den Neckar. Auch wenn letztendlich nach einem fernen Grollen und einer Entladung kein weiterer Blitz zuckt.

"Die Entscheidung musste eindeutig genau so ausfallen", stellt Gerd Weinhart kategorisch fest. Der Mannheimer muss es wissen. Gehört er doch zu neun Kampfrichtern um Sieglinde Lorenz. Die Brettenerin achtet seit 26 Jahren für die Deutsche Triathlon-Union auf den reibungslosen Ablauf und die Sicherheit beim Ausdauerdreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen.

"Über die Absage des Schwimmens im Neckar waren wir uns einig. Hochachtung vor dem Team und seinem Verantwortungsbewusstsein." Damit signalisiert auch Bürgermeister Rainer Ziegler, dass er "zu 100 Prozent" hinter der Entscheidung der verantwortlichen Organisationschefs Günter Bläß und Jürgen Hilberath steht, das Neckarschwimmen erstmals abzusagen.

Sponsoren:
Seit vielen Jahren sorgen Fans des Teams ERDA unter anderem mit Fahnen und Fächern für Stimmung. Aber auch andere örtliche und regionale Sponsoren unterstützen das Ereignis.

Rahmenprogramm:
Für das bunte Rahmenprogramm, unter anderem mit Kickbox-Darbietungen des Mannheimer Gyms von Ferdinand Mack, hörte Christel Platz Lob. Bei der Finisher-Party mit den "Star Boyz" der Grönemeyer-Band, Gitarrist Stephan Ullmann und der großartigen Gastsängerin Renee Walker tanzten viele Gäste vor der Bühne im Festzelt.

Stadtmeister im Römerman
Den Römerman-Titel der besten Ladenburgerin sicherte sich diesmal die SAP-Managerin Karin Brecht-Tillinger, nachdem sie im Vorjahr noch hinter Katharina Beran rangiert hat. Ihr männliches Pendant ist der städtische Musikschullehrer Christian Dobirr vom Radsport-Club, der bei seinem insgesamt zehnten Römerman-Start den Vorjahrestitel verteidigte. Der 49-Jährige war bereits bei der Triathlon-Premiere 1995, als es nur den Fitnessdreikampf gab, dabei.

Beate Salinger verteidigt Titel
Stadtmeister zu werden, das ist für viele Ladenburger Starter bei beiden Triathlon-Wettbewerben Ziel und Ehre zugleich. Im breitensportlichen Fitnessdreikampf verteidigte Beate Salinger den Frauentitel, den sie seit 2006 zum dritten Mal gewonnen hat. Als Schwimmspezialistin wollte sie auch im Römerman-Staffelwettbewerb starten. "Die Absage war richtig und vernünftig", so die verheiratete Mutter von drei Kindern. Ihre Töchter Lara und Maria hat sie bereits mit dem "Triathlon-Fieber" angesteckt: "Beiden hat es Spaß gemacht. Sie wollen 2013 wieder dabei sein." Bei den Männern gewann Jens Riemenschneider: Der 34-jährige Polizist und LSV-Basketballer lebt seit 2003 zusammen mit Johanna Nowotny in Ladenburg.

Hilfeleistung:
"18 Hilfeleistungen" auf der Radstrecke hat Matthias Kastner vom Malteser Hilfsdienst gezählt. "Weniger als im Vorjahr", relativierte diese Zahl der Einsatzleiter der Sanitäter, zu denen auch Johanniter gehörten.

Gäste aus Kärnten:
Wie bereits 2011 stellte auch Ladenburgs Partnerstadt Paternion ein Römerman-Staffelteam: Wegen der Absage des Neckarschwimmens konnte das österreichische Schwimm-Ass Wolfgang Maurer nicht starten.

Sicherheit:
"Sicherheit geht vor." Dies äußerte der größte Teil der Triathleten, die bereits auf dem Neckarschiff zum Start unterwegs waren. "Man musste eben Vorsicht walten lassen", sagte der

Familiär:
"Einige kraulen besser als ich", lobte Kurt W. Zepf "Delfine" und "Tiger" im Freibad. Valentin Wiest (10) hat zum dritten Mal am Kinderwettbewerb mit rund 80 Startern ohne Wertung teilgenommen. Überhaupt ist das Festival ein Familienereignis: Komplett traten erneut unter anderem Evelyn, Volker, Carolin und Kristin Stadelmeyer an.überwiegend in Thailand lebende schwedische Topstarter Fedrik Croneborg.

Rund 400 Helfer dabei

"Die andere Frage, ob man angesichts der Wetterprognosen sogar komplett absagt, war weitaus schwieriger", gesteht Ziegler. Sonne, Wind und Wetter zeigen sich am Samstag kleinräumig launisch und sind damit selbst für Meteorologen lokal nicht sicher vorhersehbar. Dennoch: Der Start zum "Bike & Run" wird um kurz nach 14.30 Uhr freigegeben. Länger hätte man nicht warten können, weil die Radstrecke durch den vorderen Odenwald ab 16 Uhr wieder für den Autoverkehr frei sein muss. Glücklicherweise zieht die Unwetterfront vorbei.

"Hinterher ist man immer schlauer. Es hätte auch anders ausgehen können. Wir hatten alle Bauchweh", sagt Ziegler. "Da haben wir aber noch mal Schwein gehabt", meint die zwischen 1996 und 2007 achtfache Triathlon-Stadtmeisterin Heidi Bläß. "Es war trotz der Absage des Schwimmens im Neckar gigantisch. Die Stimmung ist super", findet der sportliche Leiter Hilberath am Ende erleichtert. "Respekt, wie schnell das Team reagiert und den Start samt Zeitnahme umorganisiert hat", lobt Günter Bläß.

Erneut haben alle rund 400 Helfer in Freibad, Römerstadion und entlang der Strecken Großes geleistet. "Es wird immer gelöster. Jeder weiß, was er zu machen hat", erklärt Herbert Felbek, Fitnesstriathlon-Stadtmeister von 1996, als Helfer bei der 18. Auflage. Mit Uwe Schmitt ist der 1. Stadtmeister von 1995 wieder am Start: Der heute in Neckarhausen lebende Freizeitsportler gehört zum 30-köpfigen Nachbarn- und Freunde-Team "Ironmanheimer" um Michael Lang, dem auch Ladenburgs Stadtbaumeister André Rehmsmeier angehört.

"Faszinierende Atmosphäre"

Schmitts weibliches Pendant bei der Triathlon-Premiere vor 17 Jahren war Anja Zingraff: "Ich habe aus Jux und Dollerei mitgemacht, nachdem mir der Ladenburger Triathlontrainer Georg Rombach das Kraulen beigebracht und mich einfach angemeldet hat. Und dann bin Stadtmeisterin geworden", erinnert sich die Sportlehrerin und Kauffrau, die heuer als Helferin mitwirkt. Dank der Kräfte hinter den Kulissen sagt Michael Lämmler aus Darmstadt auch bei seinem neunten Römerman: "Diese Atmosphäre hier fasziniert mich."

Quelle: Mannheimer Morgen, Montag, 23.07.2012