Ladenburger „Corona-Römerman“

Große Radtour im Römerstadion gefahren

Eigentlich hätten sich am Wochenende wieder mehrere hundert Sportler im Römerstadion zum Ladenburger Triathlon getroffen und geschwitzt. Aber auch diese Traditionsveranstaltung fiel – wie so viele in diesem Jahr – der Corona-Pandemie zum Opfer. Das Organisationsteam und Bürgermeister Stefan Schmutz fanden sich trotzdem für das virtuelle Radrennen der Triathlon-Abteilung im Römerstadion ein. Statt dem Schwimmbad-Megafon hielt Kurt W. Zepf ein belegtes Brötchen in der Hand, und der Leiter der Radstrecke, Herbert Felbek, hatte statt einer roten Sicherheitsfahne ein Glas Weizenbier in Reichweite.

Mitmachen konnte beim virtuellen Radrennen jeder, der eine Rolle, ein Rennrad und die entsprechende Software hatte. Punkt 10 Uhr gingen dann am Samstag hunderte Radler an den Start. Den Streckenverlauf vom Römerstadion, hoch zum Weißen Stein und durch den Odenwald zurück nach Ladenburg konnten die Teilnehmer am Bildschirm verfolgen. Das Computerprogramm simulierte wettkampfähnliche Verhältnisse, passte bei Steigung beispielsweise die Schwierigkeit, in die Pedale zu treten, an. Wie anstrengend das virtuelle Rennen war, zeigte der Lokalmatador Mathias Pfähler.

Er hatte seine Rennmaschine im Römerstadion auf eine Rolle montiert und spurtete los, sobald der sportliche Leiter Jürgen Hilberath den Start freigab. Während die zuschauenden Mitglieder des Organisationsteams sich entspannt bei Kaltgetränken die Veranstaltung ansahen, kam Pfähler ganz schön ins Schwitzen. Die Leistung des sechsfachen Hawaii-Ironman-Teilnehmers war beachtlich. Nach gut einer Stunde fuhr Pfähler schweißgebadet durch das virtuelle Ziel. Eigentlich stünde dann noch ein 10.000-Meter-Lauf an. Doch statt in die Laufschuhe zu steigen, gab Pfähler dem anwesenden lokalen Fernsehsender ein Interview. Mit seiner Zeit war der Jurist zufrieden. „Es hat Spaß gemacht“, bilanzierte er nach seinem ersten virtuellen Radrennen. Die Technik musste er dafür aber schon ein wenig umstellen. Denn normalerweise bevorzugt Pfähler an steilen Stellen den Wiegetritt. Doch weil das Rad auf einer Rolle festgeschraubt war, bestand die Gefahr, umzukippen. Ansonsten ist das virtuelle Rennen aber doch eine sichere Sache. Sich bergab bei teilweise über 90 Kilometern pro Stunde zu versteuern, kann beim echten Radrennen üble Folgen haben, beim virtuellen eher weniger. Nach eigenen Angaben fuhr Pfähler „am Anschlag“. Am Ende freute er sich über die sechstbeste Zeit. Lieber wäre ihm zwar der richtige Römerman gewesen, aber das virtuelle Rennen sei eine gute Alternative.

Das Live-Erlebnis hat auch den Organisatoren und Bürgermeister Schmutz gefehlt. Der hatte sich nämlich schon auf den Römerman vorbereitet und hätte gern einen Amtskollegen aus Paternion, Manuel Müller, begrüßt, der ebenfalls eine Startnummer hatte. Kurt W. Zepf fehlten seine Ansagen im Schwimmbad, und auch sein Nachfolger Jochen Liebrich war eigentlich gut vorbereitet auf den 26. Triathlon. Ein Generationswechsel steht auch in der Wechselzone an. Dort sorgte bisher Jürgen Platz für Ordnung. Diese Aufgabe soll künftig Fabian Körner meistern.

Hart getroffen von der Römerman-Absage war auch Christel Platz. Die Lehrerin und Tanzexpertin ist seit 15 Jahren für das Rahmenprogramm zuständig. 2020 sollte unter anderem eine Stepptanz-Gruppe auftreten. Entspannt wie noch wie war IT-Experte Dirk Ziegelmeier. Normalerweise säße er bei der Veranstaltung vor den Bildschirmen. In diesem Jahr hatte er Zeit genug, um Pfähler anzufeuern.

Für den Römerman 2020 hatte sich die Chefin der Ladenburger Sportvereinigung (LSV), Petra Klodt, erstmals aus dem Anmeldungsteam zurückgezogen, um sich den repräsentativen Aufgaben der Veranstaltung zu widmen. Das virtuelle Radrennen als Alternative fand sie klasse. „Das Orga-Team hat immer gute Ideen – darauf bin ich stolz“, lobte sie.

Einen normalen Pulsschlag hatte erstmals der als „Mister Triathlon“ bekannte Organisationsleiter Günter Bläß. „Normalerweise würde ich jetzt die Teilnehmer auf dem Boot begrüßen und sie einweisen“, erzählt Bläß. Er hofft, dass es nächstes Jahr wieder normal zugeht.

Quelle: Rhein-Neckar Zeitung https://www.rnz.de